Wednesday, 02 June 2010
Schon lange wollte ich einmal dabei sein, wenn Herr Grönholdt mit den jungen Leuten nach Wittenberg fährt, dieses Mal hat es geklappt. Wie immer vor einer Fahrt spricht unser Pfarrer die Losung des Tages und ein kurzes Gebet – dann geht es mit 2 Autos los. Nach 3 Stunden mit gemütlicher Frühstückspause erreichen wir unser erstes Ziel, die Schlosskirche zu Wittenberg. Schon von Weitem zieht dieser nicht typische Kirchturm unsere Aufmerksamkeit auf sich. Eine freundliche Stadtführerin empfängt uns und führt uns in die Kirche. Sie erklärt jugendgerecht das Bauwerk und vor allem das Wirken Luther´s und dessen engstem Mitstreiter Melanchthon´s in der Zeit der Reformation. Sehr gut bezieht sie die Konfirmanden in die Erklärungen mit ein, ich staune nicht schlecht über das Wissen der Jugendlichen. Da gibt es bei mir doch Lücken, ja die Schulzeit ist lange her und ich weiss zum ersten Mal an diesem Tag, warum es gut war hier mit her zu kommen. Um uns herum viele ausländische Gäste, auch dadurch wird uns die Bedeutung dieser Kirche für die Reformation immer klarer. Vor der berühmten Tür, an die Martin Luther im Jahre 1517 die 95 Thesen geschlagen hat wird ein Erinnerungsfoto geschossen. Es ist die meist fotografierte Tür in Europa. Jeglicher Versuch dort ein paar Worte zu erlesen scheitert – Latein – nicht gelehrt zu meiner Schulzeit.
Mit großen Schritten gehen wir über den Marktplatz und die Wallstraße zum Luther-Haus. Die Innenstadt ist wirklich schon wunderbar restauriert. Eine Augenweide, an vielen Häusern entdecken wir Namen von berühmten Persönlichkeiten die hier in Wittenberg studierten, lebten und zu großer Zahl auch Schüler von Dr. Martin Luther waren. Ich würde gern den Cranach-Hof besuchen, auch die Stadtkirche….die Zeit reicht nicht aus. Im Innenhof des Augustinerkloster, Luthers Wohnsitz empfängt uns das Denkmal von Katharina von Bora unter einer wunderschön blühenden Magnolie. Äußere Umstände zwingen unsere Stadtführerin uns nur die wichtigsten Räume zu zeigen, das erwies sich im Nachhinein als gut, denn nur das Wichtigste kann man auch behalten. Das Wohnzimmer Luthers – ich denke da hätten wir auch mit ihm sitzen können und kräftig debatieren. Die moderne Museumswelt mit Wissens-Computern ließ die Herzen der Jungen höher schlagen. Da macht Museum sogar Spass.
Nach einer angenehmen individuellen Mittagspause trafen wir uns an der Schlosskirche wieder um zum Luther-Melanchthon-Gymnasium zu fahren. Die durch Friedensreich Hundertwasser umgebaute Schule erstrahlt mit bunten Farben, Baummietern und begrünter Dachfläche. Ein Schüler erklärte uns sein Gymnasium. Schon toll, so ein „ungerades“ buntes Schulgebäude, da macht Lernen bestimmt mehr Spass wie in so manchem sturen Klassenraum bei uns.
Die Rückfahrt war dann doch etwas stressig, 6 aufgewühlte Jungen auf den Rücksitzen des Grönholdschen Toyota. Da musste unser Pfarrer dann doch mal an die Vernunft appelieren.
Herzlichen Dank, dass ich dabei sein durfte, ich nehme diese Tour als Anregung für einen erneuten Besuch nach Wittenberg. So viele steinerne Zeitzeugen – da muss ich nochmal hin. Vielleicht auch eine Anregung für eine zukünftige Gemeindefahrt.
Liane Leupold