4. Sonntag nach Epiphanias

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Psalm 66, 5

4. Sonntag nach Epiphanias

Wir laden herzlich ein zum
Gottesdienst am 4. Sonntag nach Epiphanis
am Sonntag, dem 29. Januar  2017,
um 10.00 Uhr in die Christuskirche.

Der Gottesdienst wird gehalten von Pfr. i.R. Bernhard


Interview mit Pfarrerin Kerstin Schenk


Die Christusgemeinde hat lange auf einen Pfarrer oder eine Pfarrerin warten müssen. Jetzt steht Ihre Amtsübernahme Anfang des Jahres  bevor. Was hat Sie bewogen, sich für die Christusgemeinde zu entscheiden?

Nach 10 Jahren in der Klinikseelsorge und Überlegungen noch einmal etwas Neues zu beginnen, trafen sich meine Gedanken mit dem Beginn der zweiten Vakanz in der Gemeinde. Für mich stellte sich die Frage,  ob hier der Ort ist, wo Gott mich braucht.

Ich sehe in der Christusgemeinde viele interessante Menschen, mit denen ich gern gemeinsam christliche Gemeinde gestalten möchte.

Wie empfanden Sie die ersten Reaktionen im Gemeindekirchenrat und aus der Gemeinde selbst?

Es war für mich schon sehr bewegend, wie oft ich aus der Gemeinde angesprochen wurde, mich doch zu bewerben. Das zeugt von großem Vertrauen und macht mir Mut und gibt mir Gewissheit, dass wir gemeinsam Gemeinde wieder gestalten können.  Im Gemeindekirchenrat bin ich sehr freundlich begrüßt wurden und auch schon jetzt in Entscheidungen miteinbezogen wurden, so dass es dann nach meiner Einführung schon richtig losgehen kann. Natürlich habe ich auch die Bedenken gehört, dass ich nicht Pfarrhaus wohnen werde. Aber ich bin frohe Gewissheit, dass auch so wieder leben ins Pfarrhaus ziehen wird und wir dadurch als Gemeinde neue Gestaltungsmöglichkeiten haben.

Sie sind heute in der Krankenhausseelsorge tätig. Was wird sich für Sie mit Übernahme des Pfarramtes ändern und was können Sie aus der bisherigen Tätigkeit einbringen?

Mit der Pfarramtsübernahme kommen für mich nach langer Zeit wieder Verwaltungsaufgaben in den Blick. Da hoffe ich auf Geduld, denn Verwaltung gehört nicht zu meinen Stärken und ich freue mich, dass ich da im Gemeindekirchenrat auf Unterstützung  und hohe Kompetenz  treffe. Aber ich kann auch viel in den Gemeindedienst mitbringen. So hatte ich im Krankenhaus  eine große „Gemeinde“, die auch aus vielen Nichtchristen, aus Andersgläubigen und s.g. Kirchenfernen bestand. Miteinander zu sprechen, füreinander dazusein, schauen, was jeder einzelne braucht, das bringe ich mit. Ich konnte in meiner Klinikseelsorgezeit viele besondere Weiterbildungen absolvieren, die ich auch für die Menschen, die in unserem Gemeindebereich wohnen, anbieten kann: dazu zählt eine Weiterbildung als Psychoonkologie, also besonders für Menschen mit Krebserkrankungen, eine Ausbildung in Traumaseelsorge, also nach schweren, traumatischen Erlebnissen, für Ethik und zur Zeit mache ich noch eine Weiterbildung für Systemische Beratung für Familien und andere soziale und berufliche Zusammenhänge.  Hier kann ich also besonders seelsorgerlich und beratend für unsere Gemeindeglieder und andere Hilfesuchende tätig werden.

Sie kennen die Christusgemeinde Hasserode-Schierke  ja schon länger. Wo sehen Sie die dringendsten Aufgaben in der Gemeinde und wo möchten Sie Schwerpunkte setzen?

Eine der wichtigsten Aufgaben sehe ich darin die frohe Botschaft des Evangeliums wieder zu den Menschen zu bringen und damit auch wieder in die Gemeinde und zu Gemeindeveranstaltungen einzuladen. Deshalb möchte ich zuerst viele Menschen kennenlernen und von Ihren Sorgen, Nöten, aber auch ihren Hoffnungen und Freuden hören. Und auch davon, wo und wie sich mich als Pfarrerin brauchen.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit wird der Kindergarten sein. Ich kehre sozusagen wieder zu meinen Wurzeln zurück, denn nach meinem Studium habe ich als Katechetin gearbeitet und „nebenbei“ eine pädagogisch-theologische Ausbildung in Naumburg gemacht. Außerdem und davon konnten sich viele sicher schon überzeugen, macht mir die Arbeit mit den Kindern viel Spaß.

Mit den Schierkern möchte ich gern ein Konzept entwickeln, wie christliche Gemeinde vor Ort wieder sichtbar und erlebbar wird. Hier ist es wichtig gemeinsam zu überlegen und zu finden, was die Menschen anspricht und zu welchen Veranstaltungen sie kommen wollen. Sicher sollten dabei auch die Urlauber im Blick sein.

Pfarrer sein ist ein Beruf aber vielmehr noch Berufung. Was finden Sie an Ihrem Beruf toll und was herausfordernd?

Das Schöne am Pfarrerberuf ist der Kontakt mit den Menschen, da und vor Ort zu sein, wenn es aufregend und schön ist, und da die Menschen nicht allein zu lassen, wenn es schwer, traurig und manchmal nicht zu verstehen ist. Ich möchte hier Gott nicht aus den Augen lassen, weil er uns nicht aus den Augen lässt. Von seiner Liebe zu erzählen und diese zu leben, ist für mich Aufgabe und Berufung zugleich. Das fängt an der Stelle an, dass ich meinem damaligen Personalreferenten nach dem Vikariat sagte, dass ich überall hingehe, außer nach Wernigerode. Dass Gott mich nun wieder hierher schickt, sehe ich auch ein Stück als Berufung.

In unserem Flur hängt der Spruch: Sie sagten alle: „Das geht nicht!“ Da kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.   In diesem Sinne möchte ich Herausforderungen anpacken und das nicht allein, sondern mit der Gemeinde zusammen. Lassen Sie uns nicht vergessen dafür zu beten, dann das ist die stärkste Kraft, die wir Christen haben.

In den Unternehmen ist das Gleichgewicht zwischen beruflichem Engagement und Familie eine große Herausforderung. Welche Rolle spielt bei Ihnen die Familie? Stellen Sie sie und doch einmal vor.

Zu meiner Familie gehören mein Mann Friedemann, der als Arzt in Elbingerode tätig ist und unsere 3 Kinder. Johannes ist für ein Jahr am Kirchenmusikalischen Seminar in Halle und wird dann studieren. Tabea ist für ein Jahr in Belgien und wird dann ihr Abitur machen. Und Nathanael geht noch zur Schule.

Zu meiner Familie gehört auch meine Mutter, die bei uns im Haus lebt und uns nach ihren Möglichkeiten unterstützt.

Meine Familie ist mir sehr wichtig und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf auch dazu führt, dass man engagierter im Beruf unterwegs sein kann.

Wir möchten auch etwas über die Person Frau Schenk wissen.
Wie und wo sind Sie aufgewachsen? Warum haben Sie einen theologischen Lebensweg eingeschlagen?

Ich bin in Wernigerode zusammen mit meinem Zwillingsbruder aufgewachsen und habe dann in Halberstadt an einer Spezialklasse für moderne Sprachen Abitur gemacht. Mich hat sehr fasziniert, wie Menschen vom Glauben ausgehend andere, meist  -auf den ersten Blick-schwächere Menschen integriert haben. Ich habe das auch als junge Frau in der Christusgemeinde erlebt (ohne zu ahnen, dass ich hier später einmal sein werde), als ich in den Ferien im Guten Hirten gearbeitet habe. Ich habe mich dann für ein Theologiestudium entschieden, weil ich genau an dieser Stelle in der Gemeinde mitarbeiten wollte. In der Seelsorge und Beratung bin ich dann wieder genau dort angekommen und ich habe erfahren, dass das Schwachsein nur auf den ersten Blick ist. Von sogenannten Schwächeren habe ich viel gelernt im Glauben und fürs Leben.  und ich habe ich Geschichten aus dem Leben von Jesus wiedergefunden, wie er Menschen begleitet hat, wie er zu Schwächeren, zu Ausgestoßenen stand und zu denen die mit Fragen zu ihm kamen.

Weihnachten steht vor der Tür. Wie verlaufen bei Schenks der Heiligabend und Weihnachten, gibt es bestimmte Traditionen in Ihrer Familie?

Seit 10 Jahren besuche ich am Heiligen Abend alle Patienten unseres Krankenhauses in Halberstadt und bringe Ihnen eine kleine Weihnachtskrippe. Damit beginnt der Tag sehr früh und es dauert eine Zeit bis  alle Patienten besucht wurden. Dann ist eine kleine Andacht für die Kinder mit Weihnachtsmann, Geschenken und einer Geschichte an der Weihnachtskrippe in der Kinderklinik.  Meist habe ich dann noch  einen Gottesdienst zu halten. Johannes spielt schon zu unterschiedlichen Gottesdiensten Orgel, mein Mann hat Kollektendienst und jeder so seine Aufgaben, so dass wir uns manchmal erst zum Abendessen  zu Hause treffen(das muss im Ofen fast allein fertig werden) und dann gibts die Bescherung. Dabei packe ich die Geschenke  in eine große Kiste, die mit einem Tuch zugedeckt ist, denn meist werden die Geschenke nicht extra eingepackt. Dann wird gesungen und wenn es geht, gehen wir dann alle zusammen noch zum Nachtgottesdienst. Traditionell ist bei uns, dass am 2. Weihnachtstag die Paten kommen und dann gibt’s Raclette.

Ab nächstes Jahr werden wir dann neue Abläufe  einüben müssen, darauf freue ich mich und hoffe, dass die eine oder andere kleine Tradition gerettet werden kann.

Der Schluss gehört Ihnen. Was möchten Sie den Lesern des Gemeindebriefes  gern zu Weihnachten auf den Weg geben?

Gott kommt als kleines Kind zur Welt, nicht als großer, gewaltiger Herrscher. Vielleicht würden wir uns dann gar nicht zu ihm trauen. Deshalb kommt Gott als kleines Kind zu uns, dass wir ansehen können, ihn unser Herz anrühren lassen können. Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten, das sie den in Ihr Herz lassen können, der für Sie, für die Menschen, die sie lieben, für die ganze Welt Mensch geworden ist und sie deshalb trotz aller Sorgen und Nöten und mit aller Hoffnung und Freude Weihnachten feiern können.  Und lassen Sie sich herzlich in Ihre Gemeinde einladen. Wir freuen uns auf Sie.

 

Mit Frau Schenk sprach Dr. Rainer Gerloff. Im nächsten Gemeindebrief erfahren Sie mehr über Frau Schenk.