Grußwort von Pfrn. Kerstin Schenk

(aus dem Gemeindebrief 01/2017)

sterne sind hoffnungen

die Gott uns sendet

je dunkler der himmel

über uns

je dunkler die nacht

in uns

desto klarer das leuchten

                       Helena Aeschbacher-Sinecká,

 

Liebe Hasseröder und Schierker, liebe Gemeindebriefleser,

wenn man zu späterer Stunde durch Hasserode oder auch Schierke geht oder fährt, dann fallen die vielen lichtergeschmückten Häuser auf, die der dunklen und kalten Jahreszeit trotzen.  In der hellen Sonne würde der Glanz dieser Lichter gar nicht auffallen. So ist es auch mit den Sternen, die ihr Licht permanent zur Erde  senden.  Erst in der klaren Nacht fallen sie auf, geben Licht und Orientierung.

Gottes Sohn kommt in die Nacht dieser Welt, in die Nacht der Fragen und Zweifel, in die Nacht der Einsamkeit und Ängste. Deshalb dürfen wir Weihnachten feiern, SEIN Ankommen in unserer Welt. Deshalb ist es gut, wenn die Häuser und Wohnung ein Stück seines Glanzes widerspiegeln und wir uns nicht schrecken lassen vom Dunkel.

Die Geschichte vom kleinen Leuchtstern möchte ich Ihnen zu Weihnachten schenken, dass sein Leuchten auch Ihr Herz erfreut.

 
Der kleine Leuchtstern

So müde und traurig war sie schon lange nicht mehr gewesen. Stundenlang hatte sie auf dem Dachboden die verstaubten Kisten geöffnet, durchsucht und wieder auf die Seite gestellt. Sie war nicht mehr zu finden, der geheimnisvolle Stern glücklicher Kindheitstage, der ihr das Gefühl von Zufriedenheit, Glück und Heimat gegeben hatte. Immer dann wenn sie das Gefühl hatte, dass die Dunkelheit größer wurde, zeigte der Stern mit seinem Licht, dass sie keine Angst haben musste. Dieses Gefühl suchte sie nun in den staubigen Kisten. Aber so wie es scheinbar aus ihrem Leben verschwunden war, konnte sie es nicht mehr wiederfinden. War ihre Kindheit jetzt endgültig vorbei? Das brauchte sie jetzt kurz vor Weihnachten gar nicht. Das hatte doch Zeit bis ins neue Jahr, aber danach wurde nicht gefragt. Die Sorgen, wie es jetzt weitergehen würde, machten vor der Weihnachtstür nicht halt. Ja, Weihnachten wird es in diesem Jahr für sie nicht geben – so hatte sie in dieser Sekunde beschlossen.

Jetzt saß sie auf einer Kiste, völlig verstaubt auf dem Dachboden und weinte ihrer verloren geglaubten Kindheit nach. Traurig stieg sie die steile Treppe hinab und hoffte, dass alles irgendwie nicht wahr war. Da fiel ihr Blick auf einen kleinen Karton, der etwas am Rande auf der Wohnzimmerkommode stand. Er war ziemlich unprofessionell eingepackt, das Schleifenband war schon mal benutzt und auch sonst lud die Verpackung nicht zum Öffnen ein.

Eine Stimme in ihr riet ihr, dieses Päckchen vor dem Wegschmeißen doch zu öffnen und dann tat sie es. Zuerst fand sie einen Brief. Ihr Vater schrieb ihr, dass er seine letzte Kraft dazu benutzt hatte, die Schätze ihrer Kindheit zusammenzusuchen und in diesen kleinen Karton zu packen. Es war sein Lebensrückblick, der ihr nun die Tränen der Dankbarkeit in die Augen drückte. Neben dem kleinen Teddy, dem Stein, dem selbstgebastelten Fensterbild und vielen anderen Erinnerungen lag in Seidenpapier eingewickelt der kleine Leuchtstern. Sie nahm ihn ganz vorsichtig in die Hand.

Nachdem sie ihn voller Dankbarkeit zurückgelegt hatte, stieg sie die steile Treppe noch einmal hinauf. Sie nahm den Karton mit dem Weihnachtsschmuck mit in das Wohnzimmer und schmückte das Haus. Ja, es soll wieder Weihnachten werden im Haus und im Herzen.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Licht durch das kleine Kind in der Krippe Ihr Herz erreicht und Sie fröhlich und getrost Weihnachten feiern können in der Kirche und zu Hause.
Seien Sie herzlich gegrüßt

von Ihrer Christusgemeinde Wernigerode-Schierke

und Ihrer Pfarrerin Kerstin Schenk