Glück oder Unglück?

Für mich aber ist Gottes Nähe beglückend!

Glück oder Unglück?

Vielleicht denkt Ihr ja immer noch nach, was das für Euch ist.

Ich denke auch nach. Und ich darf dabei sogar reden. Am liebsten möchte ich ja nur glücklich sein. Die meisten von Euch sicher auch.
Da fällt mir Einiges ein:

Glück – das ist, wenn ich einen schönen Abend mit lieben Leuten verbringe.

Einen, der heute da ist, von dem weiß ich, dass er heute abend glücklich sein wird: Beim Tanzengehen mit seiner Frau – wie jeden Sonntag.

Glück ist, wenn man Ärger hatte und ihn hinter sich lassen konnte.

Glück – wenn man etwas geschafft hat.

Glücklich bin ich gewesen, als wir vor Jahren Arm in Arm gestanden haben und die Sterne über der Erde fallen sahen.

Ein irres Glück – als ich die Gesichter sah, die vorher noch keiner gesehen hat. Die Gesichter meiner Kinder.

Nochmal Glück gehabt – als der Chausseebaum nicht unser Leben beendet hat, weil im Dunkeln ein Tier auf die Straße rannte.

Wie ist das mit dem Glück?

In manchen Ländern denkt man darüber nach, ob man in den Schulen nicht ein Schulfach „Glück“ einführen sollte.

Kann einer „Sein Glück machen“? Jeder ist seines Glückes Schmied?

Mal ehrlich: Glück möchte jeder erleben. Aber man kann es nicht als Schulfach einführen. Das kommt, das geht. Und jeder versteht etwas anderes darunter.

Glück wünschen sich alle: Wer glücklich ist, dem geht es gut.

Mit dem Bauern aus der Geschichte ist das eigentlich nicht so einfach: Das große Glücksgefühl scheint er gar nicht zu kennen. Immer fragt er sich, ob das, was er erlebt – ob Glück nicht auch Unglück sein kann oder umgekehrt Unglück auch Glück sein kann.

Ob es ihm damit gut geht? Ob er sich ganz gelassen fühlen kann? Ist das nicht langweilig, wenn er sich gar nicht so doll über das Glück freut? Wenigstens stürzt er bei Unglücksfällen nicht gleich ins Bodenlose.

Er kann in jeder Situation noch Zukunft sehen – das ist wohl seine Stärke.

Die haben seine Nachbarn nicht so.

Glück oder Unglück? Manchmal zeigt sich das erst beim näheren Hingucken, manchmal erst, wenn man ein zweites Mal hinguckt.

Manchmal kommt es nur darauf an, wie es einem geht:  Menschen und Dinge und Erlebnisse, die immer da sind – all das sortiert unser Inneres irgendwie nach Glück oder Unglück ein. Und es ist manchmal ein und dasselbe, was einen glücklich oder unglücklich macht – ich glaube, das ist es, was uns die von Euch so toll erzählte Geschichte eigentlich sagen will. Glück und Unglück sind überhaupt nicht haltbar. Beim Glück finde ich das schade. Beim Unglück eher nicht – da bin ich froh, wenn es vorbei ist.

Und manchmal kommt es auch nur auf die Sichtweise an.

In diesem Jahr gibt es einen Satz aus der Bibel, den hören wir immer wieder in diesem Jahr. Der ist für dieses Jahr als Überschrift ausgesucht worden.

Der Satz heißt: Gott nah zu sein ist mein Glück.

Und ich glaube, dass der Satz richtig ist.

Ich glaube, dass Gott etwas anderes ist als Glück. Sonst könnte man ihm ja gar nicht nahebleiben. Denn Glück ist ja nicht immer da.

Glück, das sind Momente: Da klopft Dein Herz ganz aufgeregt, weil etwas kommt, was schön ist. Das wollen wir alle haben. Glück ist, wenn etwas gerade noch mal  gut gegangen ist oder wenn Du plötzlich etwas schaffst, an das Du schon nicht mehr geglaubt hast.

Glück ist aber auch, wenn Du weißt, dass es in Deinem Leben etwas gibt, worauf Du Dich verlassen kannst.

Manchmal kannst Du aber auch das schönste Glück nicht sehen: Wenn Du traurig bist zum Beispiel, oder wenn Du krank bist, wenn alle nur noch über Dich schimpfen und keiner mehr Dein Freund sein will. Wenn Du unglücklich bist, kannst Du oft das Glück nicht sehen. Obwohl es doch noch da ist.

Gott ist auch da, wenn Du gar nicht glücklich bist. Aber er wird sich um Dich kümmern, so dass Du es irgendwann wieder merkst.

Vielleicht hat der Bauer aus der Geschichte das ja gewusst: Egal ob Glück oder Unglück kommen: Gott bleibt in der Nähe. Gott bleibt in der Nähe.

Ein Glück!

Predigt, Pfr. Schmudde am Sonntag OKULI (23.03.2014)