Sechsundzwanzig Gemeindemitglieder — so viele Menschen waren am Montag, den 19. Januar im Gemeindesaal des Pfarrhauses zusammengekommen, um sich die Vorstellung der überarbeiteten Planungen für den Umbau der Christuskirche durch Architektin Margit Hottenrott anzuhören. Unter dem Titel “Kirche unter einem Dach” wird seit vielen Jahren — auch und gerade angesichts der leider schrumpfenden Mitgliederzahlen — das Ziel verfolgt, die Zahl der “Dächer” (und damit also der Gebäude) im Kirchenkreis zu verringern, um es den Gemeinden zu ermöglichen, ihre eigentlichen Kirchengebäude langfristig zu erhalten und mit Leben zu füllen.
Für die Christusgemeinde Wernigerode-Schierke bedeutet dieser Prozess, dass nach dem bereits erfolgten Verkauf der alten Franckeschule in der Friedrichstraße sowie dem anstehenden Verkauf des leerstehenden Pfarrhauses in Schierke perspektivisch auch das Pfarrhaus in Hasserode aufgegeben und die Christuskirche zu einem modernen Gemeinde‑, Kultur- und Begegnungszentrum ausgebaut werden soll, in dem nicht nur alle bisherigen, sondern auch neue Funktionen und Angebote Raum finden können. Seit dem 2023 durchgeführten Architekturwettbewerb, in dessen Rahmen das Atelier Hottenrott mit dem Auftrag betraut wurde, diesen Umbau zu planen, haben sich in Rücksprache mit dem Kirchenkreis und möglichen weiteren Geldgebern verschiedene Planungsvorgaben geändert, die an diesem Abend beleuchtet werden sollten.

Die wichtigste Änderung: Der Umbau erfolgt nun in zwei Abschnitten, wobei im ersten Abschnitt bereits alle Funktionsräume aus dem Pfarrhaus in die Kirche umziehen sollen. Es werden dort daher unter der Seiten- sowie unter der Orgelempore ein Amtszimmer für den Pfarrer, ein Büro für die Gemeindesekretärin, ein weiteres Büro für die Gemeindepädagogin, ein großer Multifuktionsraum sowie ein WC und eine Teeküche entstehen. Der Multifunktionsraum wird zukünftig nicht nur für Sitzungen des Gemeindekirchenrates, sondern auch für viele andere Aktivitäten genutzt werden, die zum Leben einer Kirchengemeinde gehören: Gemeindenachmittage, Chorproben, Christenlehre, Bastelstunden und Treffen aller möglichen Gemeindegruppen vom Kirchenmusikausschuss bis zum Besuchsdienstkreis. In der kalten Jahreszeit wird uns dieser große Raum außerdem zukünftig als gut und kostengünstig beheizbare Winterkirche dienen.

Auch im Obergeschoss — das dann barrierefrei durch einen Lift erreichbar sein soll — wird es Veränderungen geben, das Gros der hier geplanten Umbauten ist aber einem zweiten Bauabschnitt zugeordnet. Ob dieser erreicht werden kann, wird auch davon abhängig sein, wie gut die neuen Räumlichkeiten von der Gemeinde und von den Hasserödern angenommen werden und ob es uns gelingt, die (dann zu den gängigen Bürozeiten ja durchgehend geöffnete) Kirche mit Leben und Aktivität zu füllen. Für den ersten Bauabschnitt, dessen Umsetzung mit Kosten von etwa 600.000 Euro verbunden wäre, konnte Ende vergangenen Jahres bereits ein Förderantrag bei einem regionalen Mittelgeber gestellt werden, über den in den kommenden Monaten entschieden wird.
Sollte der Antrag positiv beschieden werden, wird sich in den kommenden ein bis zwei Jahren vieles verändern. Das mag einen einerseits — und verständlicherweise — in eine Art nostalgisch-traurige Stimmung versetzen, andererseits liegt in diesen Veränderungen auch eine große Chance für die Gemeinde, neue Angebote zu schaffen und neue Funktionen in Hasserode ausfüllen zu können — etwa als Veranstaltungsort für lokale kulturelle Events oder als Begegnungsstätte für alleinstehende Menschen. Wie schon der Prozess des Zusamenwachsens zu einem Pfarrbezirk mit der Neuen Evangelischen Gemeinde und den Gemeinden in Derenburg, Minsleben, Silstedt und Reddeber, birgt auch dieser Veränderungsprozess viele Möglichkeiten, Kirche neu zu verstehen und neu zu gestalten, während man gleichzeitig Wichtiges und Liebgewonnenes erhalten und bewahren kann.
Die vielen anwesenden Gemeindeglieder, der große Zuspruch für die Ausführungen von Margit Hottenrott und Pfarrer Zentner sowie die Vielzahl an interessierten — und durchaus auch kritischen — Fragen und Anmerkungen haben an diesem Abend jedenfalls deutlich unterstrichen, dass die Christusgemeinde und ihre Mitglieder sich in einer Phase des Aufbruchs befinden.

